30.10.2014 - Die Biotonne kommt nach Langen

(vom 30.10.2014)

Geld sparen mit kleineren Behältern für den Restmüll

Sie ist "das Beste für die Rest" - die Biotonne, die zum 1. März 2015 die Mülltrennung in Langen um einen zusätzlichen Baustein erweitern soll. In vielen Gemeinden ist sie längst Standard und hat sich bewährt. Im Laufe des kommenden Jahres muss sie deutschlandweit auch in den Kommunen stehen, die bisher auf sie verzichtet haben. Das schreibt das sogenannte Kreislaufwirtschaftsgesetz vor. Langen will nach den Worten von Erstem Stadtrat Stefan Löbig im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen das Kunststück vollbringen, das separate Sammeln von Gemüse, Obst, Eierschalen, Kaffeefiltern, Lauf oder Rasenschnitt mit niedrigeren Abfallgebühren für die meisten Bürgerinnen und Bürger zu kombinieren.

Die Kommunalen Betrieb (KBL) haben einen Fahrplan zur Einführung der neuen Tonne aufgestellt und eine geänderte Abfallsatzung vorgelegt. Damit sind die konzeptionellen Vorbereitungen unter Dach und Fach. Jetzt liegt es in den Händen der Politik, dem Paket ihren Segen zu geben. Nach den Beratungen in den Ausschüssen (5. und 13. November) soll die Stadtverordnetenversammlung am 4. Dezember endgültig den Weg für die Biotonne freimachen. Dann wird es im Januar und Februar mehrer Informations- und Beratungsveranstaltungen geben, um die Bürgerinnen und Bürger auf die Umstellung einzustimmen.

Die Bioabfallsortierung macht Sinn und ist gut für die Umwelt. Denn Küchenreste und Gartenabfälle sind Wertstoffe, mit denen Energie erzeugt und Kompost produziert werden aknn. Anlieferungs-Adresse für die Kommunen aus dem Kreis Offenbach ist der Frankfurter Osthafen, wo die anlage der Rhein-Main-Biokompost steht, eine Tochter der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH. Der große Vorteil: Die Entsorgungsbeführen für den Bioabfall fallen mit 95 Euro pro Tonne deutlich niedriger aus als für den Restmüll (239,50 Euro). KBL-Betriebsleiter Manfred Pusdrowski schätzt, dass der Inhalt der Langener Restmülltonnen bisland zu gut einem Drittel aus Bioabfall besteht. Dies zeigten Untersuchungen auch in anderen Städten.

Mit der getrennten Entsorgung kann also Geld gespart werden. Andererseits muss die KBL-Abfallwirtschaft, die ja unter anderem auch die Altpapier- und Sperrmüllabfuhr sowie den Betrieb des Wertstoffhofs beinhaltet, allgemeine Kostensteigerungen verkraften. "Unterm Strich kalkulieren wir durch die Umstellung zum 1. März aber mit rückläufigen Ausgaben, die wir an die Bürgerinnen und Bürger weitergeben", sagt Pusdrowski. Sparen könnten alle, die das Volumen ihrer Restmülltonne reduzierten.

Folgende Eckpunkte sind vorgesehen: Die Biotonne wird alle 14 Tage im Wechsel mit den Restmüllbehältern geleert. Die wöchentliche Restmüllabfuhr, an der sich gegenwärtig sowieso nur noch etwa 20 Prozent der Haushalte (ohne Großwohnanlagen) beteiligen, fällt weg, um Kosten zu senken. Ausnahmen gibt es bei Bedarf nur für große Wohnanlagen.

Die Kommunalen Betriebe haben inzwischen für die Umstellung 10.500 Müllbehälter in den Größen 80, 120 und 240 Liter (Für Großwohnanlagen) für rund 190.000 Euro bestellt. Generell richtet sich die Behältergröße nach dem Volumen der heutigen Restmülltonne. Wer jetzt eine 35-, 60- oder 80-Liter-Gefäß am Haus stehen hat, bekommt demnach die kleinste Biotonne.

Wer seine organischen Küchenabfälle nachweislich auf dem eigenen Komposthaufen entsorgt, kann sich von der Pflicht zur Biotonne befreien lassen und Geld sparen. Die neue Abfallsatzung sieht dafür einen Abschlag von 20 Prozent auf die personenbezogene Grundgebühr vor. Als Nachweis gilt ein eigener Garten am Haus. Schon jetzt machen rund 550 Haushalte vom eigenen Kompostieren Gebrauch und zahlen dank einer kleineren Restmülltonne weniger.

Für die Biomüllabfuhr kommt keine separate Gebühr. Die Kosten werden durch die Grundgebührt gedeckt, die gleich bleibt. Allerdings steigt die von der Größe der Restmülltonne abhängige Leistungsgebühr um durchschnittlich 30 Prozent. Diese Erhöhung lässt sich durch den Umstieg auf eine kleinere Restmüllmenge vermeiden, bei dem sogar noch eine Ersparnis möglich ist. Das Abspecken ist leicht, weil die Biotonne künftig für einen beträchtlichen Teil des Abfalls bereitsteht. Es gilt die Regel: Wer konsequent trennt und von der Kartoffelschale bis zum Blumenkohlstrunk den sogenannten biogenen Abteil des Abfalls über die neue Tonne entsorgt, kann seinen Geldbeutel schonen.

Vor diesem Hintergrund sinkt das Mindestbehältervolumen für Restmüll von 15 auf zehn Liter pro Einwohner und Woche. Als einzige Ausnahme ziehen davon die Ein- und Zwei-Personen-Haushalte im Einzelwohnhäusern keinen Profit, wenn sie gegenwärtig schon die kleinsten Abfallbehälter (35 Liter) verwenden. Sie können beid er Gefäßgrösse keine Abstriche mehr machen, sich allerdings mit Nachbarn für eine gemeinsame Tonne zusammentun, um in den Genuss der Gebührenvorteile zu kommen.

Ein Vier-Personen-Haushalt mit Biotonne und Wechsel auf eine kleinere Restmülltonne spart im Jahr unterm Strich sechs Prozent. Die Abfallgebühr (Grund- und Leistungsgebühr zusammen) sinkt bei vierzentäglicher Leerung und Umstellung von einer 120- auf eine 80-Liter Restmülltonne um 14 Euro auf 228 Euro pro Jahr. Wenn der gleiche Haushalt bisher an der wöchentlichen Leerung mit einer 60-Liter-Tonne teilnimmt (267 Euro), reduzieren sich seine Ausgaben sogar um 15 Prozent.

Anders sieht das Bild für Haushalt aus, die an iherer bisherigen Restmüll-Tonnengröße festhalten und die Biotonne lediglich zuästzlich nutzen. Dann berappen sie in der Regel rund 20 Prozent mehr für die Müllabfuhr. Laut Pusdrowski können Gartenabfälle auch weiterhin zum Wertstoffhof an der Liebigstraße gebracht werden. Dieses Angebot bleibe ohne Abstriche bestehen.

Die Kommunalen Betriebe und die städtische Abfallberatung wollen im Vorfeld des Biotonnen-Starts ausführlich mit Faltblättern, Broschüren, Ausstellungen, im Internet oder in Bürgerversammlungen über das neue Abfalltrennsystem informieren, damit es möglichst störungsfrei anläuft und die Vorteile erkannt werden. Nach den Worten von Erstem Stadtrat Löbig stehen dabei sowohl die Haus- und Wohnungseigentümer als auch die Mieter im Fokus. Ein Hauptziel sei es, Vorurteile gegenüber der Biotonne abzubauen und den Haushalten mit Biofilter-Mülleimerdeckeln und Vorsortiergrfäßen zum Selbstkostenpreis und einer Erstausstattung von kostenfreien Papiertüten den Umstieg leicht zu machen.

zurück