Neue Steine und stabile Grundlage

(vom 19.12.2016)

Mosaik für ehemalige Gerichtslinde bald wieder tipptopp

Das Mosaik, das in der Langener Altstadt beim Vierröhrenbrunnen den Standort der früheren Gerichtslinde markiert, wird erneuert und auf einer stabilen Grundlage wieder eingebaut. Mitarbeiter der Kommunalen Betriebe (KBL) haben die alten Steine jetzt ausgegraben und zum Bauhof transportiert. Mehr als die Hälfte waren beschädigt und zum Teil schon regelrecht zerbröselt. Damit nicht noch mehr kaputt geht, war das Mosaik schon seit Monaten mit Eisenplatten abgedeckt.

Mitarbeiter restaurieren Mosaiksteine
Die KBL-Mitarbeiter Alexander Förderer (links) und Ralf Seifried haben dieser Tage das marode Mosaik am Vierröhrenbrunnen ausgegraben und die Steine auf den Bauhof transportiert.
Foto: Sorger/Stadt Langen

Wie Bürgermeister Frieder Gebhardt mitteilte, hat sich der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) mit Unterstützung durch die Stadt für den Erhalt des Hinweisgebers eingesetzt, der für die Heimatgeschichte bedeutsam sei. Eine bloße Sanierung an Ort und Stelle habe aber keinen Sinn mehr gemacht. Der Untergrund sei einfach zu instabil und das Mosaik halte den Belastungen durch den Altstadtmarkt und die Gastronomie auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz nicht mehr stand.

Inzwischen hat die Pittler ProRegion Berufsausbildung eine Edelstahlform hergestellt, die vorher gemeinsam mit Fachleuten von KBL entworfen wurde. Darin wird das Mosaik im kommenden Jahr auf dem Bauhof frisch ausgepflastert – überwiegend mit neuen Steinen aus Basalt und Jura-Marmor, da die meisten alten nicht mehr brauchbar sind. Weil sie aber möglicherweise noch für andere Zwecke zum Einsatz kommen können, werden sie eingelagert. Voraussichtlich im nächsten März bringt dann ein Radlader die etwa eine Tonne schwere und exakt 185 mal 152 Zentimeter messende Form, in der das Mosaik dann fest verankert sein wird, zum bisherigen Standort am Vierröhrenbrunnen, um sie auf eine vorbereitete Betonschicht abzulassen.

Aus gutem Grund nimmt das historische Schmuckstück beim VVV einen Ehrenplatz ein. Schließlich war es der Verein selbst, der es Anfang des vorigen Jahrhunderts auf Anregung geschichtsbewusster „Alterthumsfreunde" und nach dem Eingang diverser Spenden in Auftrag gab, um an die uralte Gerichtslinde und somit an den früheren Ort der Rechtsprechung in Langen zu erinnern. Das sogenannte Maigeding oder Wildbanngericht, das für das gesamte Dreieichgebiet Bedeutung hatte, tagte zum letzten Mal im Jahr 1556. Mitte des 18. Jahrhunderts schlug dann der Gerichtslinde die Stunde. Weil sie in einem schlechten Zustand war und zu einer Gefahr wurde, musste sie gefällt werden.

Ob das heutige Mosaik ihren wahren Standort kennzeichnet, ist unter Heimatforschern umstritten. Gewiss ist hingegen, dass es von der Odenwälder Hartsteinindustrie in Ober-Ramstadt hergestellt und von zwei Pflastermeistern aus Erzhausen verlegt wurde – aus schwarzen, weißen, rötlichen und gelblichen Steinchen. Den Mittelpunkt bildet das Langener Stadtwappen, das mit „Standort der früheren Gerichtslinde" umschrieben ist. „Unserem Städtchen gereicht das Kunstwerk zur hohen Zierde", hieß es bei der Fertigstellung im Jahr 1902 im „Langener Wochenblatt".

Die Kosten für die Erneuerung belaufen sich auf rund 14.000 Euro. Nach Gebhardts Angaben übernimmt der VVV davon 8.000 Euro. Dies sei wieder einmal ein wichtiger Beitrag des Vereins für Langen - in diesem Fall, um Stadtgeschichte sichtbar zu machen, betonte der Bürgermeister. Auch jetzt werde mit André Spreier wieder ein „Pflastermeister" zu Werke gehen, allerdings nicht aus Erzhausen, sondern von den Kommunalen Betrieben Langen.

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