Letzte Ruhe im Einklang mit der Natur

(vom 13.10.2017)

In Langen könnte ein Bestattungswald entstehen

Wenn es um die letzte Ruhestätte geht, wird das klassische Reihengrab zunehmend zum Auslaufmodell. Im Trend liegen Gräber in der Natur, die keine oder nur wenig Pflege erfordern. Eine richtige Waldbestattung, das ist es, was sich immer mehr wünschen – auch in Langen. Jedenfalls wird die Friedhofsverwaltung der Kommunalen Betriebe (KBL) nach den Worten von Bürgermeister Frieder Gebhardt auffallend häufig mit der Frage nach alternativen Bestattungsformen konfrontiert. „Wir sollten ernsthaft prüfen, ob wir so etwas auch in Langen anbieten können", sagt der Verwaltungschef.

Ein erster Schritt ist bereits getan. In seiner jüngsten Sitzung hat der Magistrat der Idee, einen kommunalen Bestattungswald in Langen einzurichten, grundsätzlich zugestimmt. Wenn die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung am 7. Dezember nach vorheriger Beratung im Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr (1. November) ebenfalls grünes Licht gibt, sollen die Kommunalen Betriebe in Abstimmung mit Hessen-Forst die nötigen Planungen in die Wege leiten.

Für KBL-Betriebsleiter Manfred Pusdrowski steht fest, dass Langen auf die Entwicklung hin zu alternativen Bestattungsformen reagieren sollte. „Das tun wir auf dem Friedhof ja auch schon seit Jahren mit unseren attraktiven und pflegefreien Grabstätten in der Nähe von Bäumen." Es zeige sich aber, dass dies wohl auf Dauer nicht reiche. Die Idee von Bestattungen in der Natur außerhalb von Friedhöfen finde immer mehr Anhänger. Inzwischen gebe es bundesweit sowohl von privater als auch von kommunaler Seite entsprechende Angebote, die sich großer Nachfrage erfreuten.

Damit sich niemand anderswo umsehen müsse, sei es an der Zeit, sich auch in Langen konkrete Gedanken über einen Bestattungswald zu machen, sagt der KBL-Chef. Bisher habe die Vorstellung, dass die Asche Verstorbener mitten im Wald an den Wurzeln von Bäumen ruht, zwar noch keine spürbaren Auswirkungen auf die Beerdigungszahlen vor Ort gehabt, doch das könne sich angesichts des bundesweiten Trends hin zu Waldbestattungen bald ändern.

2016 ging in die Statistik der Kommunalen Betriebe mit 316 Bestattungen, davon 64 Prozent pflegefreie Gräber (Rasengrab, Landschaftsgrab oder Friedpark), als durchschnittliches Jahr ein. Doch wohin die Entwicklung führt, zeigt zum Beispiel Dietzenbach, das inzwischen über einen Friedwald verfügt, in dem im vergangenen Jahr 300 Urnengräber angelegt wurden.

Für Langen hält Pusdrowski einen Bedarf von rund 60 Baumbestattungen im Jahr für realistisch. Hochgerechnet auf 40 Jahre werde dafür eine Fläche von fünf Hektar Wald mit 350 Bestattungsbäumen (acht Bestattungen pro Baum) benötigt. In Abstimmung mit Hessen-Forst, das dem Vorhaben positiv gegenübersteht, haben die Kommunalen Betriebe vor allem den Wald in Oberlinden südlich der Georg-Sehring-Halle in Richtung Loh als gut geeignet eingestuft. Er ist Eigentum der Stadt Langen, liegt nahe, verfügt über attraktive und freistehende Laubbäume, ausreichend Wege und an der Berliner Allee über Parkplätze. „Um etwaige Lärmbelästigungen auszuschließen, wäre natürlich ein Abstand zu den Sportstätten und zur Prinzessin-Margaret-Allee einzuhalten", erklärt Pusdrowski.

Insgesamt ist das Waldstück knapp 35 Hektar groß. Für die Bestattungen müsste demnach rund ein Siebtel reserviert werden. Eine telefonische Voranfrage beim Regierungspräsidium Darmstadt hat laut Pusdrowski ergeben, dass dort keine forstrechtlichen Genehmigungshindernisse gesehen werden. Dennoch sei es erforderlich, für das Gebiet einen Bebauungsplan aufzustellen. Das soll geschehen, falls die Stadtverordnetenversammlung den Grundsatzbeschluss fasst. Außerdem müssen dann noch eine Reihe von Detailfragen geklärt werden, bevor Mitte oder Ende 2018 über einen Bestattungswald endgültig entschieden werden könnte.

Vom Charakter her unterscheidet sich ein solcher Wald kaum von herkömmlichen Wäldern. Nur Hinweisschilder machen ihn als Friedhof erkenntlich. Es gibt keine Mauern, die ihn abgrenzen und ausschließlich Bestattungen mit biologisch abbaubaren Urnen. Belegte Gräber unter den Bäumen können mit Gedenksteinen oder mit Tafeln gekennzeichnet werden. Grabschmuck ist nicht erlaubt. Die Grabpflege übernimmt die Natur.

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