Müllschleusen noch nicht abgeschrieben

(vom 29.06.2017)

KBL bringt Alternative auf privatwirtschaftlicher Basis ins Spiel

In Langen gibt es 39 sogenannte Müllschleusen, verteilt auf 19 Wohnanlagen mit zusammen gut 1.000 Parteien. Sie gehören den Kommunalen Betrieben (KBL), die diese Container, deren Einwurfklappen sich nur mit einem Chip öffnen lassen, grundsätzlich abschaffen wollen. Mit Zustimmung der Betriebskommission hat die Betriebsleitung jetzt allerdings der Stadtverordnetenversammlung eine Beschlussvorlage unterbreitet, die eine Alternative aufzeigt. Demnach können Müllschleusen auch in Zukunft eingesetzt werden, die aber nicht kostenlos von KBL gestellt, sondern auf privatwirtschaftlicher Basis gegen Entgelt gemietet werden. Die Eigentümer-Gemeinschaft oder die Hausverwaltung würden sie direkt bei einem privaten Anbieter bestellen und nach dessen Bedingungen nutzen. Das dafür infrage kommende Unternehmen, die Firma Imvisio aus Didderse in Niedersachsen, das bundesweit als Partner von Wohnanlagen tätig ist, verlangt für seine Dienste eine Jahrespauschale und kümmert sich dafür um die Aufstellung oder Umrüstung der Schleusen, die Wartung, die Mieterberatung, die Müllplatzbetreuung und die Abrechnung der Einwurfdaten.

KBL-Betriebsleiter Manfred Pusdrowski weist jedoch im Vergleich zur heutigen Praxis auf Mehrkosten für die Eigentümer-Gemeinschaft und die Mieter hin, eben weil das Unternehmen die Finanzierung über eine Jahrespauschale regele. Die Kommunalen Betriebe hingegen würden die Kosten in die allgemeinen Müllgebühren einkalkulieren.

„Das neue System ist eine praktikable und faire Regelung", sagte Pusdrowski. Er macht aber auch auf die stets vorhandene Gefahr der illegalen Müllentsorgung aufmerksam. Um Gebühren zu sparen – so die Erfahrung – würden manche ihren Abfall einfach in einen Papierkorb stecken oder in einem Wertstoffcontainer abladen. „Sollten hier nicht akzeptable Zustände eintreten, werden sich die Kommunalen Betriebe beziehungsweise die Stadtverwaltung im Einzelfall die Untersagung des Einsatzes von Müllschleusen vorbehalten", heißt es denn auch in der Vorlage.

Am Grundgedanken der Müllschleusen haben indes auch die Kommunalen Betriebe nichts zu kritisieren. Denn wer in einer Großwohnanlage den Müll sorgsam trennt und damit zu einer Begrenzung der von der Liegenschaft insgesamt zu zahlenden Müllgebühren aktiv beiträgt, wird durch das System finanziell belohnt. Die Einwurfklappe am Abfallcontainer kann nur mit einer Chipkarte geöffnet werden, die bei jedem Vorgang die Müllmenge für die individuelle Abrechnung erfasst.

Die Kommunalen Betriebe mussten aber jetzt handeln, weil sich nach rund zehn Jahren Betrieb die Reparaturen häufen. Immer öfter müssen Akkus, Steuergeräte, Scharnier und Stoßdämpfer ausgetauscht werden. Für neue Müllschleusen müssten die Kommunalen Betriebe 200.000 Euro investieren. Die Software und das Auslesegerät müssten ebenfalls ersetzt werden. „Es sind vor allem die Kosten, die uns dazu bewogen haben, die Einstellung des KBL-Müllschleusenkonzepts vorzuschlagen", sagt Pusdrowski. Weil das jedoch in den politischen Gremien strittig sei, hätten die Kommunalen Betriebe nun eine Alternative ins Spiel gebracht. Der Haupt- und Finanzausschuss und die Stadtverordnetenversammlung werden sich damit nach der Sommerpause befassen.

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