Bahnbrücke für die Zukunft fit machen

(vom 05.03.2018)

Wichtigste Ost-West-Verbindung für ein Dreivierteljahr gesperrt

Parkplatz unter der Brücke
Nicht mehr taufrisch: Die Brücke über die Bahn muss saniert werden, sonst besteht die Gefahr, dass sich Betonteile lösen und auf Autos, Züge und Gleise fallen.

Das wird ein hartes Stück Arbeit, erfordert höchste Ingenieurskunst und bringt den üblichen Verkehrsfluss in Langen durcheinander: Die vielbefahrene Brücke über die Bahngleise zwischen der Südlichen Ringstraße und der Mörfelder Landstraße muss saniert werden. „Wir müs-sen uns dieser Aufgabe jetzt stellen. Nach knapp 50 Jahren ist es an der Zeit, die Brücke für die Zukunft fit zu machen", sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt.

Keine Frage: Das 94 Meter lange Betonbauwerk ist die wichtigste Verbindung für den motorisierten Verkehr zwischen dem Ost- und dem Westteil der Stadt. Über sie rollen täglich rund 20.000 Fahrzeuge, die nun von April bis Dezember per Hinweisschilder über die Nordumgehung umgeleitet werden. Weil dort dann umso mehr Betrieb sein wird, ergeht an den Fernverkehr die Bitte, Langen großräumig zu umfahren und die A 3 als Ost-West-Verbindung im Rhein-Main-Gebiet zu nutzen.

Ortskundige werden indes auch durch die Unterführung zwischen Liebig- und Paul-Ehrlich-Straße fahren, um ihre Ziele dies- und jenseits der Bahnlinie zu erreichen. Sie ist allerdings relativ eng und die Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer begrenzt. Außerdem ist sie für den Schwerlastverkehr gesperrt. Eine Ausnahme besteht nur für den Stadtbus und Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr. Auf der Liebigstraße ist obendrein mit Behinderungen durch Baustellenverkehr zu rechnen, weil es dort mit dem Wohnungsbau losgeht.

Für Fußgänger und Radfahrer gibt es kaum Einschränkungen. Letztere nutzen die Brücke eher selten und für Fußgänger ist das Betreten sowieso verboten. Die beiden Unterführungen am Bahnhof und die Fußgängerbrücke an der Lortzingstraße stehen weiterhin uneingeschränkt zur Verfügung. Aus Sicherheitsgründen kann es lediglich zu kurzzeitigen Sperrungen der Wege direkt unterhalb der Brücke kommen.

Bürgermeister Gebhardt ist sich bewusst, dass Langen bisher noch nicht mit einer derartigen Situation konfrontiert wurde und die wichtigste innerstädtische Verkehrsschlagader für ein Dreivierteljahr nicht befahrbar sein wird. „Da müssen viele Bürgerinnen und Bürger Umleitungen in Kauf nehmen und längere Zeiten einplanen, aber es gibt keine Alternative", erklärt Gebhardt. Die Brücke sei in einem Zustand, der eine Sanierung unbedingt notwendig mache. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Betonteile abplatzen und auf die Straße oder die Gleise fallen. Die Sicherheit wäre nicht mehr gewährleistet.

Das Besondere an der Aktion: Das Bauwerk muss für die Arbeiten um etwa anderthalb Meter angehoben werden, was eine Vollsperrung voraussetzt. „Eine halbseitige Sperrung wie zuletzt bei Reparaturarbeiten in den Jahren 2003 und 2004 wäre uns natürlich lieber und würde deutlich weniger Beeinträchtigungen mit sich bringen, ist aber leider nicht machbar", erläutert der Verwaltungschef.

Das liegt an der Bahnstrecke. Hier rauschen in einer Tour S-, Regional-, Fern- und Güterzü-ge in Richtung Frankfurt und Darmstadt. Zwischen den Oberleitungen und der Brücke ist aber nicht genug Platz, um die Arbeiten gefahrlos von einem Gerüst aus zu bewerkstelligen. Der Zugverkehr müsste eingestellt werden. Das aber würde zu erheblichen Mehrkosten führen und den zeitlichen Ablauf deutlich verlängern. Ganz ohne Zug-Stopp geht es aber auch jetzt nicht. Nach den Planungen muss der Bahnverkehr an mehreren Wochenenden in den Nachtstunden ruhen. Laut Gebhardt wurde das alles schon vor drei Jahren mit der Deutschen Bahn abgestimmt. Auch dies mache die Dimension des Vorhabens deutlich.

Als die Brücke am 12. September 1969 im Beisein von Bundesverkehrsminister Georg Leber mit einem regelrechten Volksfest eingeweiht wurde, war das ein Segen für die Stadt. Immer länger wurden zuvor die Staus am damaligen schienengleichen Bahnübergang. Sie reichten bis weit in die Bahn- und die Mörfelder Landstraße hinein. Schon zu jener Zeit passierten etwa 230 Züge den Bahnhof Langen. Da blieben die Schranken minutenlang unten. Also musste eine Lösung her, die dann als sogenanntes Überführungsbauwerk kam. Die Kosten in Höhe von 4,45 Millionen D-Mark übernahmen überwiegend Bund und Land, da es sich seinerzeit noch um eine mit der Bahnlinie kreuzende Bundesstraße (B 486) handelte.

In die Sanierung steckt die Stadt jetzt voraussichtlich 1,6 Millionen Euro, wird aber über das Kommunalinvestitionsprogramm mit gut 700.000 Euro vom Land unterstützt. Allein schon deswegen fällt das Ganze nicht unter die neue Straßenbeitragssatzung.

Gesperrt werden soll die Brücke unmittelbar nach den Osterferien ab Samstag, 7. April, bis zum 19. Dezember. Notwendig ist eine grundhafte Instandsetzung. Im Wesentlichen wer-den auf der Ober- und Unterseite teilweise von einem Hängegerüst aus Schäden behoben, die durch Korrosion des Bewehrungsstahls im Beton hervorgerufen wurden. Zum Beispiel geht es darum, auf der Oberseite die Betonteile der Notgehwege und die hervorstehenden Platten (sie dienen als Berührungsschutz zur Oberleitung der Bahn) einschließlich der Fahr-bahn und des Geländers zu erneuern. Die Platten werden durch Glaselemente ersetzt.

Weitere Arbeiten sind unter anderem an den massiven Betonkonstruktionen an den Enden der Brücke, den sogenannten Widerlagern, und an den Pfeilern erforderlich. Am Ende erhält der Beton einen Oberflächenschutz, um ihn vor schädlichen Einflüssen zu bewahren. In diesem Zuge verschwinden auch die Graffitis unter dem Bauwerk.

Für den Laien am spannendsten ist das Anheben der Brücke im Mai. Schließlich gilt es, 1.550 Tonnen zu bewegen, die zunächst von den Straßenabschnitten davor und dahinter getrennt werden. Das würde so leicht kein Kran schaffen. Zum Einsatz kommen vielmehr acht Hydraulikpressen, die ähnlich wie Wagenheber funktionieren. Sie werden auf den Betonpfeilern und den Widerlagern montiert. Dort sind schon entsprechende Vorrichtungen, weil die Brücke einst in gleicher Weise auf ihre Unterkonstruktion herabgelassen wurde.

Am Mittwoch, 7. März, stellt der Magistrat in einer Bürgerinformationsveranstaltung alle Einzelheiten zur Brückensanierung vor. Beginn ist um 19 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaal im Rathaus. Auskünfte am Telefon gibt es unter der Behördennummer 115.

Einweihung Brücke
1969 wurde die Brücke mit großem Tamtam eingeweiht. Bundesverkehrsminister Georg Leber grüßte das zahlreiche Publikum. Links neben ihm der frühere Langener Bürgermeister Hans Kreiling.
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