Bahnbrücke schnuppert Höhenluft

(vom 17.05.2018)

Über Pfingsten befördern Pressen das Bauwerk in die Höhe

Presse unter der Brücke
Mit Pressen, die auf den Brückenpfeilern und den Widerlagern montiert wurden, wird die Brücke angehoben. Dr. Franz Michael Jenisch vom Dreieicher Ingenieurbüro Jenisch + Jung prüft, ob alles korrekt sitzt.
Fotos: Sorger/Stadt Langen

Eigentlich wäre jetzt Superman gefragt, doch es geht auch ohne ihn. Mechanik, Stahl und Ingenieurskunst sind die Zutaten, um ein seltenes Werk zu vollbringen. Über Pfingsten soll die Brücke über die Bahn angehoben, sollen 1.500 Tonnen Beton am Stück bewegt werden.

Was sich der Laie nicht so einfach vorstellen kann, ist für Dr. Franz Michael Jenisch Routine. Der von den Kommunalen Betrieben Langen für das Sanierungsprojekt beauftragte Ingenieur und Planer hat schon mehrere Brücken in die Höhe gebracht, darunter eine 160 Meter lange in Darmstadt am Hauptbahnhof. Sie hatte fast die doppelte Spannweite wie die 90 Meter messende Verbindung zwischen der Südlichen Ringstraße und der Mörfelder Landstraße.

In Langen ist die Aktion erforderlich, um Schäden wie Rost und Abplatzungen an dem fast 50 Jahre alten Bauteil zu beheben. Im Ist-Zustand könnten die Arbeiten wegen dem gerin-gen Abstand zu den Oberleitungen der Bahn nicht realisiert werden. Deswegen muss die Brücke um anderthalb Meter nach oben.

Absicherung der Brücke
Am Ende der Brücke in Richtung Mörfelder Landstraße wird die Stahlkonstruktion vorbereitet, die das Bauwerk beim Anheben absichert.

Möglich machen das 24 Pressen, die wie Wagenheber funktionieren. Sie wurden bereits auf die vier Pfeiler, auf denen die Brücke ruht, und auf die beiden Widerlager am Anfang und Ende des Bauwerks montiert. Zur frühen Stunde am Pfingstsonntag, 20. Mai, ist es dann soweit. Um 2.30 Uhr geht es mit der Demontage einer Haltevorrichtung für die Oberleitung los. Das dauert etwa zwei Stunden. Gegen 4 Uhr dürfte die Brücke erstmals in Bewegung geraten. Sie wird zunächst um 30 Zentimeter angehoben. Mehr vermag die Mechanik nicht am Stück zu leisten. Die Zwischenräume über den Pfeilern und Widerlagern werden mit Stahlplatten ausgefüllt, um dem Ganzen Halt zu geben. Anschließend werden die Pressen wieder eingefahren und neu in Stellung gebracht. Und so geht es weiter, bis gegen Mitternacht die endgültige Höhe erreicht ist. Um die Brücke auch in der Längs- und Querrichtung zu sichern, wird sie an ihren Enden durch Stahlvorrichtungen gesichert

Restarbeiten an der Oberleitung dauern noch bis voraussichtlich 5.30 Uhr am Pfingstmontag. Während des gesamten Hubvorgangs rollen die Züge in Richtung Frankfurt und Darmstadt. Allerdings kann auf Gleis 2 des Bahnhofs keine Regionalbahn halten und es ist mit Zugausfällen zu rechnen. Für die S-Bahn wird es keine Beeinträchtigungen geben.

Ihre Höhenlage behält die Brücke bis in den November hinein und damit bis kurz vor Ende der Sanierung im Dezember. Ein Hängegerüst ermöglicht, dass die Schäden auf der Unterseite ohne die Gefahr, mit der Oberleitung in Berührung zu kommen, behoben werden können. Bisher und damit seit Beginn der Arbeiten am 7. April läuft nach den Worten von Dr. Jenisch alles nach Plan und der Fachmann hat keinen Zweifel daran, dass sich daran im weiteren Verlauf etwas ändern wird.

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