Mit dem Müll unter die Erde

(vom 31.10.2019)

Kommunale Betriebe stellen Weichen für Unterflursysteme

Liegt die Zukunft der Mülltonnen vor allem bei größeren Wohnanlagen unter der Erde? Andere Länder und andere Städte haben darauf längst eine positive Antwort gegeben. Jetzt wollen auch die Kom-munalen Betriebe Langen (KBL) die Voraussetzungen für eine fortschrittliche und effiziente Müllentsorgung schaffen und den Weg für sogenannte Unterflursysteme ebnen, wie Betriebsleiter Manfred Pusdrowski betont. In ihnen werde der anfallende Hausmüll platzsparend, unsichtbar und geruchsarm in unterirdischen Containern gesammelt. „Oberirdisch sind lediglich die Säulen zu sehen, in die die Rest-, Bio- und Pa-pierabfälle und die Wertstoffe eingeworfen werden. Sie gelangen anschließend in Behälter unter der Erde", beschreibt Pusdrowski das System. Nach seinen Worten ersetzt ein Unterflurbehälter vier große konventionelle Müllgefäße. Gerade für Wohnanlagen sei das eine enorme Verbesserung. Es könne viel Platz gespart werden und auch die Ästhetik profitiere davon.

Laut KBL-Chef gibt es einen bundesweiten Trend für das unterirdische Müllsammeln. Den konkreten Anstoß für Langen habe die Baugenossenschaft gegeben, die anstrebe, das System in ihrem Sanierungs- und Neubaugebiet im Nordend zwischen Anna- und Sofienstraße zu verwirklichen. Bewährt hat sich die Lösung bereits in Darmstadt, Berlin, Hamburg, Han-nover und in vielen anderen deutschen Städten. Auch das Ausland macht damit gute Erfahrungen, nicht zuletzt auf öffentlichen (Markt-)Plätzen.

Die Abfallgebühren für die neuen Behältertypen würden sich an der bisherigen Gebühren-struktur orientieren, erklärt Pusdrowski. Ein Pluspunkt sei, dass am Leerungstag kein Hausmeister mehr die Müllbehälter bereitstellen müsse. Unterflursysteme seien zudem barrierefrei. „Die Einwurfklappe kann von Rollstuhlfahrern oder älteren Personen gut bedient werden", sagt der Betriebsleiter.

Weitere Vorteile: Der Abfall kann nicht brennen und Insekten und andere Tiere haben keinen Zugang. Die Lagerung im kühlen Erdreich hält zudem üble Gerüche zurück. Die Einwurfsäule kann mit einem Schloss ausgestattet werden. Genutzt werden kann sie dann nur von Bewohnern mit passendem Schlüssel oder einem Chip.

Pusdrowski verschweigt aber auch nicht den Nachteil, dass die vorhandenen Müllautos bei der Leerung passen müssen. „Für die Unterflurbehälter benötigen wir spezielle Fahrzeuge, die mit einem Kran den Behälter samt Einwurfsäule an den Haken nehmen und aus seinem Betonschacht ziehen." KBL plane, im kommenden Jahr einen solchen Wagen anzuschaffen, der auch für den Containeraustausch eingesetzt werden könne. Alternativ sei es aber denkbar, dass zunächst externe Dienstleister mit der Leerung der Unterflurbehälter beauftragt werden. Wie auch immer: Auf einen festen Rhythmus könne dabei grundsätzlich verzichtet werden. Möglich sei, dass ein Sensor den Füllstand melde und bei Bedarf geleert werde.

Der KBL-Chef kann sich gut vorstellen, dass das neue System auch im Baugebiet an der Liebigstraße Einzug hält. Darüber hinaus könne es auf künftig entstehenden öffentlichen Plätzen und vor öffentlichen Einrichtungen verwirklicht werden. Verankert werden muss es vorher allerdings erst in der Abfallsatzung der Stadt Langen. Die KBL-Betriebskommission hat dafür mit einer Vorlage die Weichen gestellt. Das Papier wurde vom Magistrat bereits befürwortet. Am Dienstag, 12. November, berät darüber der Haupt- und Finanzausschuss, bevor am Donnerstag, 5. Dezember, die Stadtverordnetenversammlung das letzte Wort hat.

Müll unter der Erde
Modern, platzsparend und sauber: So sehen Unterflursysteme von oben aus.
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